Das Landesarchiv Berlin (LAB)

Bestandsinformation: Das Landesarchiv Berlin übernahm nach der Vereinigung der Stadt die Bestände des ehemaligen Berliner Stadtarchives. Zudem wurden analog zur SAPMO im Bundesarchiv (https://www.bundesarchiv.de/DE/Navigation/Finden/Digitalisierte-Bestaende/digitalisierte-bestaende.html) Akten der Berliner Bezirks- und Kreisleitungen der SED und anderer Massenorganisationen übergeben. Das Archiv enthält ähnlich anderen Landesarchiven auch Nachlässe, Fotosammlungen, Karten und Bibliotheksbestände, soweit sie die Berliner Regionalgeschichte betreffen.

Eindrucksvoll lässt sich dennoch anhand der Dokumente der Runden Tische und Bürgerbüros (überparteiliche Initiativen im Zusammenhang der Auflösung der Dienste Ministerium der Staatssicherheit und Amt für nationale Sicherheit) das Ringen um eine demokratische Erneuerung der ehemaligen Ostberliner Verwaltung ablesen. Dokumentiert ist aber auch das staatliche Handeln, v.a. des Magistrates, des Regierungsbeauftragten für Berlin und der Volkspolizei.

Immer wieder gerät auch die MfS-Zentrale in Berlin Lichtenberg, in der Normannen - Ruschestraße in den Blick. Allerdings lag der in den Akten dokumentierte Schwerpunkt bei der Auflösung der Berliner Bezirksverwaltung des MfS/AfNS in Friedrichsfelde, wo sich auch die MFS-Kreisdienststellen für die Ostberliner Bezirke befanden und den Stadtbezirken, in denen viele der konspirativen Wohnungen und Objekte, also MFS-Stützpunkte, lagen. Insbesondere bei der Aufdeckung von dezentralen Dienstorten, der Übernahme von Immobilien und Personal, stand insbesondere bei den wachsamen Bürgern das MfS/AfNS im Fokus, unabhängig von der verwaltungsmäßigen Zuordnung.

Da relativ früh entschieden wurde, dass die meisten MfS/AfNS-Objekte zu sozialen und gesundheitlichen Zwecken kommunalisiert werden sollten, war die „Hauptstadt“ Berlin, i.e. die Kommune von Ostberlin, vorrangig in diesen Fragen involviert. Die Sicherung des umfangreichen Aktenmaterials hatte zwar ebenfalls Priorität - wie mit den Akten umgegangen werden sollte, stand jedoch noch nicht so sehr im Mittelpunkt des Interesses und war den Zeitumständen geschuldet.

Relevante Teilbestände:

Teilbestand C Rep.

Die Bestandsgruppe C Rep. umfasst den Zeitraum von Mai 1945 bis Oktober 1990. Sie bildet mit Akten, Dokumenten, Fotos, Filmen das öffentliche Leben des sowjetischen Sektors von Berlin, also Ostberlin, in dieser Zeit ab. Hier finden sich auch Archivalien zur Auflösung des Ministeriums der Staatssicherheit (MfS) und des kurzzeitig aufgebauten Nachfolgeamtes für Nationale Sicherheit (AfNS). Es geht hierbei um einen Zeitraum, der von Ende November 1989 bis Mitte/Ende September 1990 reicht. Bei diesen Archivalien handelt es sich um Protokolle von Sitzungen und Berichte zur Auflösung der Ämter; es sind aber auch Flugblätter, Eingaben, Protestnoten der Runden Tische, Bürgerkomitees oder Bürgerbüros enthalten; auch Listen von MfS/AfNS-Objekten sind im Bestand des LAB vorhanden, die in Verbindung mit der Auflösung dieser Behörde stehen. Alle diese Dokumente sind jedoch entsprechend dem Entstehungs- bzw. Überlieferungszusammenhanges verschiedenen Signaturen zugeordnet. Sie wirken nicht immer vollständig und systematisch, was der hektischen Umbruchzeit von 1989/90 geschuldet ist.

Findmittel: Im Allgemeinen steht nur eine interne Augias-Datenbank für angemeldete Nutzer (Nutzerantrag hierzu nötig) oder sogar nur Archivare des LAB als Findmittel zur Verfügung. Da zahlreiche Akten noch einer Sperrfrist unterliegen und nur bei genehmigter Schutzfristverkürzung einsehbar ist, empfiehlt sich der Weg den Nutzerdienst - lesesaal01@landesarchiv.berlin.de - zu kontaktieren.

Findmittel- Online: online sind die Bestände nur teilweise einsehbar, wie z.B. der des Magistrats von Berlin, Sekretär: http://content.landesarchiv-berlin.de/php-bestand/crep100-pdf/crep100.pdf.

 

Teilbestand C Rep. 100/101

Die Sitzungen des Runden Tisches Berlin (RTB) wurden am Sitz des Ostberliner Magistrates und der Stadtverordnetenversammlung im „Roten Rathaus“ abgehalten. Viele Sitzungsprotokolle sind daher der Signatur C Rep. 100/101, zugeordnet, dem Bestand des Büros des ehemaligen Oberbürgermeisters von Ostberlin. Da diese Protokolle vom Magistrat erstellt wurden, sind sie chronologisch und systematisch nur teilweise erschlossen. Z.B. sind bei - LAB C Rep. 101 nur 47.50 lfm erschlossen, dagegen sind 55.65 lfm unerschlossen.

Der RTB fragte 1990 Informationen vom Magistrat ab und traf in der Übergangszeit bis zu den Kommunalwahlen im Mai 1990 Entscheidungen, die faktisch Aufträge an die Berliner Stadtregierung waren. Insofern sind teilweise auch Zuarbeiten zu bzw. Schlussfolgerungen aus den Sitzungen in den Akten enthalten. Allerdings ist die Breite der Themen, selbst bei der Stasi Frage, so groß, dass bei Spezialfragen die Bestände der einzelnen Magistratsresorts und andere eingesehen werden sollten.

Ein Beispiel wären die Bestände der Kommunalen Wohnungsverwaltung (KWV), die einen Großteil der zahlreichen Stasi-Immobilien übernahm. Hier z.B. LAB C Rep. 101 – Nr. 2751 (1990) und KWV Hauptverwaltung LAB C Rep. 760. Hier sind derzeit mit Hilfe der internen Augias Datenbank 7.65 lfm erschlossen.1

Ein anderes Beispiel wäre der Bestand LAB C Rep. 309 Nr. 2996 der Reichsbahndirektion Berlin.2 Einige der Reichsbahn-Mitarbeiter, vor allem jene, die im Grenzbereich eingesetzt waren, erfüllten Doppelfunktionen und waren auf eine oder andere Weise für das MfS tätig gewesen. Sie wurden im Zuge der Auflösung des MfS in andere Funktionen versetzt.

Teilbestand LAB C Rep. 830

Der Bestand unter der Signatur LAB C Rep. 830, Runder Tisch von Berlin (RTB), LAB C Rep. 830-01 enthält weitere Archivalien zu diesem Übergangsgremium. Hier wird der Zeitraum von Mitte Dezember 1989 bis Mai/Juni 1990 behandelt. Die Unterschiede zu den anderen Beständen, in denen sich Dokumente zur Auflösung der Ämter MFS/AfNS befinden, bestehen zum Teil im eher allgemeinen Reportwesen etwa C Rep. 830-01 Nr. 39 W. Fischer (Regierungsbevollmächtigte) Umgang und weiteres Verfahren mit MfS-Schriftgut 29.03.1990

Im Kontrast dazu stehen dann Überlieferungen wie im Bestand Oberbürgermeister C Rep. 101 Nr. 2562, u.a. Fragen zur Auflösung v. Objekten MFS/AfNS Werneuchener Str. 19 Wohnheim MFS Laufzeit: April bis Juni 1990, wo ein Ablauf dargestellt wird.

Oder aber auf Ebene des Bezirks Mitte C Rep. 131-01 Nr. 408 Hr. Ziebart Anlage 3 b. Bericht einer Untergruppe der AG Sicherheit, die sich mit dem Thema der konspirativen Wohnungen im Bezirk beschäftigte und vom ehemaligen AfNS schwer behindert wurde, falsche Angaben und Listen usw. 22.03.1990

Erschlossen 1,2 lfm, Laufzeit 1989-1992

Online-Findmittel: Interne Augias Datenbank.:  http://content.landesarchiv-berlin.de/php-bestand/crep830-pdf/crep830.pdf

Teilbestand LAB C Rep 830-01

Dieser Teilbestand enthält primär Unterlagen zur Auflösung der Bezirksverwaltung Berlin des MfS/AfNS und der entsprechenden Kreisdienststellen/-ämtern in den Berliner Stadtbezirken, sowie zum Kontrollausschuss und dem sogenannten Bürgerkomitee Berlin. Letzteres ist nicht identisch mit dem Bürgerkomitee Normannenstraße, welches sich um die Auflösung der Zentrale des MfS/AfNS kümmerte.

Findmittel: Interne Augias Datenbank: Erschlossen 0.30 lfm. Laufzeit 1989 - 1990

Überlieferungen der Ostberliner Stadtbezirke

In den Überlieferungen der Bezirke gibt es offenkundige Lücken bei der Überlieferung zur Auflösung des MfS/AfNS. Relativ umfangreich ist die Sammlung für den Bezirk Mitte, LAB C Rep. 131-01 weniger für Prenzlauer Berg, gefolgt von Hohenschönhausen. LAB C Rep. 151 LAB C Rep. 151-01

Stadtbezirk Mitte: Augias-Datenbank-online: http://content.landesarchiv-berlin.de/php-bestand/crep131-01-pdf/crep131-01.pdf

Stadtbezirk Prenzlauer Berlin: laut interner Augias Datenbank: 23.55 lfm erschlossen, Laufzeit: 1985 – 1990

Stadtbezirk Hohenschönhausen: laut interner Augias Datenbank: 0.90 lfm erschlossen, Laufzeit: 1985 – 1990

Für Lichtenberg, Friedrichshain, Pankow, Weißensee, Köpenick, Marzahn, Hellersdorf und Treptow wurden bisher keine oder nur sehr wenige Dokumente gefunden, in denen die Arbeit der jeweiligen örtlichen Bürgerbüros, Runden Tische sowie der jeweiligen Verwaltungen bei der Stasi-Auflösung dargestellt wird. Relativ ausführlich wird die Übergabe von ehemaligen MFS/AfNS- Immobilien an die Kommunale Wohnungsverwaltung (KWV) dargestellt.

Der Übergabe dieser Objekte an die Allgemeinheit kam angesichts des Wohnraum- und Gewerberaummangels in der DDR besondere Aufmerksamkeit zu. Insbesondere auch deshalb, weil es immer wieder den Verdacht auf Unregelmäßigkeiten gab, die teilweise auf Grund von Hinweisen von Bürgern, von den lokalen Bürgerkomitees oder den Runden Tischen in den Stadtbezirken und ihren AG's zur Auflösung der Staatssicherheit aufgedeckt, zumindest protokolliert wurde. MfS-Offiziere, SED-Kader u.a. standen im Verdacht, ihre ehemaligen Machtpositionen und Wissensvorsprünge zu nutzen, um sich in den Besitz von Immobilien und werthaltigen MfS-Gegenständen zu bringen.

Teilbestand C Rep. 303

Die Polizei spielte bei der Auflösung des MfS durch Sicherheitspartnerschaften und sukzessiver Übernahme von Funktionen Personal, Immobilien und Gegenständen des ehemaligen MfS/AfNS eine wichtige Rolle. Insbesondere bei der Auflösung der Berliner Bezirksverwaltung und der Kreisdienststellen ging die Initiative geradezu vom Präsidium der PdVP aus.

Anmerkungen:

Landesarchiv Berlin Der Erschließungsstand von LAB C Rep. 303 zum Präsidium der Volkspolizei, lässt es jedoch bisher kaum zu, gefestigte Aussagen zur Auflösung der Ämter MFS/AfNS zu machen. Laut Aussage LAB sind zumindest die Bestände C Rep. 830, 830-01 vollständig erschlossen. In anderen Teilen sind zumindest 34.80 lfm erschlossen, aber noch 298,90 lfm unerschlossen bzw. in der Erschließung.

1 LAB Jahresberichte 1989/1990, Nr. 59/60 – ???

2 Laut interner Augias Datenbank, derzeit erschlossen 9.50 lfm unerschlossen 300 lfm.