Hat die SED die Stasi fallen lassen?

Kontroverse zwischen dem ehemaligen DDR-Ministerpräsidenten Hans Modrow und seinem letzten Geheimdienstchef Heinz Engelhardt

zwei Exklusivinterviews

 

Kontroverse I:  Hat Modrow die Stasi bewußt geopfert?

Diese These, dass die Stasi von der SED geopefert wurde, kam im Jahr 2007 durch die Äußerung des ehemaligen Dresdener Oberbürgermeisters und SED-Spitzenfunktionärs Wolfgang Berghofer auf. Dieser sass mit Gregor Gysi, Markus Wolf und Herbert Kroker im Arbeitsausschuss der SED, der die Partei retten sollte. Bei einem Gespräch bei SED-Ministerpräsident Hans Modrow habe dieser im Dezember 1989 vorgeschlagen, die Stasi zu opfern und ihr die Verantwortung für die SED-Misere in die Schuhe zu schieben. Angeblich hätte Modrow gesagt: "Wenn wir die Partei retten wollen, brauchen wir Schuldige".2 Diese Aussage wird von einigen der angeblich Beteiligten, vehement bestritten, auch von

Hans Modrow, damals Ministerpräsident der DDR (SED/PDS)

Auffällig ist, Modrow dementiert energisch das von Berghofer genannte Datum den 3. Dezember, nicht die Tage nach dem 5. Dezember, wo er wegen der Stasi-Frage extra einen Moskau-Besuch vorzeitig abbrach. Er dementiert derartiges zusammen mit Berghofer besprochen zu haben, nicht aber explizit die Strategie an sich. Der letzte Chef des DDR-Geheimdienstes, Heinz Engelhardt wirft rückblickend Modrow vor, er habe in der Tat das MfS zum Prügelknaben gemacht und, um die Partei zu retten, das MfS„den Medien zum Fraß vorgeworfen“3. Engelhardt führt den ehemaligen Spionagechef Markus Wolf und seinen Nachfolger Werner Großmann als Zeugen an.

Generalmajor a.D. Heinz  Engelhardt, damals letzter Geheimdienstchef der DDR

 

Kontroverse II: Hat sich Modrow am 15. Januar nicht ausreichend vor "seinen" Geheimdienst gestellt? 

eine Kontroverse von 

Generalmajor a.D. Heinz  Engelhardt, damals letzter Geheimdienstchef der DDR

Dr. Hans Modrow, damals Ministerpräsident der DDR (SED/PDS)

 

Die Interviews wurden von Christian Booß 2019 geführt.

 

Anmerkungen:

2 Wilke, Manfred: „Wenn wir die Partei retten wollen, brauchen wir Schuldige“. Der erzwungene Wandel der SED in der Revolution 1989/90. Interview mit Wolfgang Berghofer, in: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung (2007), S. 396– 421, hier 408f.

3 Engelhardt, Heinz. Der letzte Mann. Countdown fürs MfS. Berlin 2019, S. 250, 253

Kontroverse II: Hat sich Modrow am 15. Januar nicht ausreichend vor "seinen" Geheimdienst gestellt? 

Am 15. Januar gelang es tausenden Demonstranten auf das Stasigelände einzudringen. Für den damaligen Geheimdienstchef war das auch ein Versagen der Regierung. Der ehemaligen Regierungschef Hans Modrow (SED/PDS) hält dagegen.

Heinz Eingelhardt contra Hans Modrow link